„Wer sich keine Zeit für Bewegung nimmt, der muss sich mit zunehmendem Alter immer mehr Zeit für Krankheiten nehmen"

Experteninterview mit Prof. Dr. Ingo Froböse

Menschen jeden Alters freuen sich, wenn sie fit sind. Diesen Status zu erreichen, fällt aber vielen schwer. Prof. Dr. Ingo Froböse leitet das „Zentrum für Gesundheit durch Sport und Bewegung“ und das „Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation“ der Deutschen Sporthochschule Köln. Wir wollten von ihm wissen, wie Fitness auch im Alter erlangt werden kann und wo die Tücken liegen. Zudem haben wir den ehemaligen Leistungssportler gefragt, wie Fitness und Prävention zusammenhängen.

Viele Menschen haben sich zum Jahreswechsel vorgenommen, in diesem Jahr an ihrer Fitness zu arbeiten. Doch warum scheitern immer wieder so viele daran? Haben Sie einen Tipp, wie man den inneren Schweinhund, etwas für die eigene körperliche Verfassung zu tun, am besten überwindet?

Am besten suchen Sie sich zunächst einen Trainingspartner mit dem Sie gemeinsam etwas tun möchten, denn gemeinsam geht es oft leichter. Wenn Sie dann Termine zusammen vereinbaren, ist die Chance größer, dass Sie diese Termine auch regelmäßig wahrnehmen, da Sie die Person nicht enttäuschen wollen. Als zweites empfehle ich, sich kleinere, realistische Ziele zu setzen, um sich selbst die Chance zu geben, sie auch zu erreichen. Das motiviert. Planen Sie drittens Bewegung und Sport fest im Kalender ein, lose Vorsätze können nur allzu schnell z.B. bei schlechtem Wetter über Bord geworfen werden. Punkt vier: Suchen Sie sich Bewegung oder auch einen Sport, der Ihnen Freude bereitet. Denn nur, wenn Sie mit Spaß dabei sind, bleiben Sie auch dabei. Fünftens, erzählen Sie Freunden und Familie von Ihren Zielen und Vorhaben. Das schafft Verbindlichkeit und hilft an den guten Vorsätzen festzuhalten. Und schließlich: Belohnen Sie sich für erreichte Ziele!

„Trauen Sie Ihren pubertierenden Muskelzellen etwas zu“

Ist Fitness eine Frage des Alters? Fällt diese im Alter schwerer zu halten oder zu erreichen als in jüngeren Jahren?

Grundsätzlich ist es nie zu spät etwas für die Fitness zu tun. Auch im sehr hohen Alter von 80 oder 90 Jahren lassen sich Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination verbessern. Unsere Zellen haben dafür die besten Voraussetzungen. Wie etwa unsere Muskulatur, sie erneuert sich im Rhythmus von nur 15 Jahren und steckt damit immer in der Pubertät. Und was brauchen Pubertierende? Richtig: Belastung. Trauen Sie ihnen also durchaus etwas zu. Zudem haben Sie das Potenzial innerhalb nur eines Jahres ihre Leistungsfähigkeit um 100 Prozent zu steigern. Es gibt also mehr Gründe dafür als dagegen, in die eigene Gesundheit durch Bewegung zu investieren.

„Es gibt kaum eine Krankheit, bei der Bewegung kontraproduktiv ist“

Mit dem Alter nehmen oft Krankheiten zu. Heißt dies zwangsläufig, dass die Fitness mit ihnen abnimmt? Kann man trotz Krankheit fit sein bzw. etwas für die Fitness tun?

Inaktive verlieren alle zehn Jahre etwa zehn Prozent ihrer Beweglichkeit und bis zu 15 Prozent der Muskelkraft. Der Prozess ist schleichend, sodass die meisten Menschen sich für viel leistungsfähiger halten, als sie eigentlich sind. Das muss nicht sein. Sie können diesen Prozess beeinflussen und deutlich verlangsamen. Aufhalten lässt er sich nicht, aber mehr als 70 Prozent aller Verluste und Veränderungen können durch regelmäßiges Training und gute Fitness ausgeglichen werden. Es gibt kaum eine Krankheit, bei der Bewegung kontraproduktiv ist. Wichtig ist immer die richtige Dosis. Außerdem müssen Sie eines wissen: Wer sich keine Zeit für Bewegung nimmt, der muss sich mit zunehmendem Alter – und das gilt für Menschen jeden Alters gleichermaßen – immer mehr Zeit für Krankheiten nehmen. Und wer Zeit in Bewegung und Sport investiert, der profitiert ganz gleich, welche Vorerkrankungen bestehen. Defizite können mit einer starken Muskulatur und einer verbesserten Ausdauerfähigkeit sogar ausgeglichen werden.

„Körperliche Aktivität hält das Gehirn bis ins hohe Alter flexibel“

Hängen körperliche und geistige Fitness zusammen? Und wie können sie sich wechselseitig beeinflussen?

Die allgemeine kognitive oder mentale Leistungsfähigkeit lassen sich ebenfalls durch Sport und Bewegung verbessern. Im Gegensatz dazu trainieren Sudoku oder Kreuzworträtsel meist nur Einzelleistungen des Gehirns, aber nicht das gesamte Gedächtnis. Körperliche Aktivität hingegen hält das Gehirn bis ins hohe Alter flexibel, es passt sich wie ein Muskel an neue Belastungen an. Das Gehirn wird besser durchblutet, egal, ob Sie Joggen, Schwimmen oder Rad fahren. So kann regelmäßige körperliche Aktivität die geistige Leistungsfähigkeit bei Jung und Alt verbessern. Darüber hinaus kann Sport altersbedingte Abbauprozesse im Gehirn verlangsamen. Dabei stimulieren auch schon geringe Belastungen, wie ein Spaziergang, bestimmte Areale im Gehirn. Ebenfalls kann regelmäßige Bewegung einen positiven Effekt auf neurologische Erkrankungen des Gehirns haben.

„Wer fit ist, erhält die Selbstständigkeit im Alltag“

Es heißt: Wer fit ist, tut was für seine Gesundheit. Ist Fitness also Prävention schlechthin?

Fitness ist die beste Medizin für einen gesunden Lebensstil und zudem frei von Nebenwirkungen. Wer sich regelmäßig bewegt und sportlich-körperlich aktiv ist, der tut sich etwas Gutes. Bewegung stärkt die Muskulatur, verbessert die Ausdauer und macht uns stressresistenter. Ein weiterer wichtiger Punkt gewinnt insbesondere mit zunehmendem Alter an Bedeutung – und der lautet Eigenständigkeit. Denn wer fit ist, erhält Mobilität und damit auch die Selbstständigkeit im Alltag.

Die Wissenschaft weiß mittlerweile, dass schon kleine Änderungen des Bewegungsverhaltens positive Effekte auf die Gesundheit haben. Weitere wichtige Bausteine sind aber auch eine ausgewogene Ernährung und eine regelmäßige Vorsorge.

„In den Wagen wird investiert, bei der Gesundheit sind viele sehr sparsam!“

Gibt es in Ihren Augen genügend Fitness- und Präventionsangebote für ältere Menschen? Was könnte noch verbessert werden? Und wen sehen Sie hier in der Verantwortung?

Es gibt zahlreiche Fitness- und Präventionsangebote. Oft werden Ältere sogar überhäuft mit vielen unterschiedlichen Angeboten. Prävention sehe ich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die aber auch in der Eigenverantwortung jeder Person liegt und nicht vernachlässigt werden darf. In Deutschland heißt ein häufiges Credo „Hauptsache das Auto ist gesund“. Soll heißen: Es wird viel Geld und vor allem Zeit in die Pflege und die Reparatur des Wagens investiert, wenn es jedoch um den eigenen Körper und die Gesundheit geht, dann sind viele sehr sparsam!

Herr Prof. Froböse, wir danken Ihnen für das Interview.

Weitere Infos:

www.ingo-froboese.de

www.aelter-werden-in-balance.de

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